Lionel Favre, Direktor für Produktdesign bei Roger Dubuis

Im exklusiven Rahmen der SIHH 2016 hatte Vienna Deluxe das Vergnügen, sich zu einem Gespräch mit Designer Lionel Favre zusammenzusetzen. Lionel Favre stammt aus der Welt des Schmuckdesigns in Paris, wo er insgesamt acht Jahre verbrachte. Danach wurde er Chefdesigner bei Chopard in Genf. Schließlich, im Jahr 2009, führte ihn sein Weg zum »Enfant Terrible« der Uhrenindustrie, zu Roger Dubuis, wo er heute die Position des Produkt-Design-Direktors hält.


Herr Favre, beschreiben Sie uns die Entstehung einer Roger Dubuis Uhr. Verraten Sie uns die Schritte des kreativen Prozesses?
Es gibt keinen Prozess, das wäre langweilig. Das Ganze ist abhängig davon, welche Uhr gestaltet wird, ob wir eine Uhr für Frauen oder für Männer kreieren. Die meisten Uhrenmarken nehmen ihre Herrenmodelle, verkleinern sie und fügen Diamanten hinzu – so entsteht ihr Damenmodell. Roger Dubuis’ Damenuhren werden von Grund auf neu erschaffen. Wir haben das Bild einer Frau vor Augen und versuchen, ein Schmuckstück für ihr Handgelenk zu entwerfen. Herrenuhren werden von Mechanik, Architektur und Stärke inspiriert. Um etwas sehr Weibliches zu schaffen, braucht man viel mehr Detail: Proportionen, Veredelung, Farben, Ergonomie, die kleinen Dinge, die die Vision der Weiblichkeit verkörpern. Zu dem Entwicklungsprozess einer Uhr gehören für mich auch viele Zeichnungen und Skizzen. Ich bin gegen eine technisierte Entwicklung und einen technisierten Prozess. Man muss mit der Kunst beginnen. Es ist wichtig, einen künstlerischen Zugang zur Entwicklung der Uhren zu haben, da wir uns ja als Juweliere künstlerischer Meisterwerke bezeichnen.

Welche ist Ihre Roger Dubuis Lieblingsuhr in diesem Jahr und warum?
Das ist schwierig zu beantworten, da wir dieses Jahr fünf neue Uhren in der Damenkollektion haben. Aber mein Favorit ist die Velvet Blossom. Bei Roger Dubuis ist es Tradition, Emaille zu verwenden, aber diese Uhr haben wir mit kräftigen Farben graviert und dem Zifferblatt somit Dimension und Tiefe verliehen. Auf diese Weise ist es nicht flach und spielt mit dem Licht. Die Velvet Blossom wurde von der Blumenuhr von Genf inspiriert, die ein Symbol dafür ist, dass Genf die Stadt der Uhrmacher ist. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ich in der Regel nicht zu 100 Prozent mit dem Ergebnis zufrieden bin, wenn ich eine Uhr designe. Dies liegt daran, dass es immer technische Einschränkungen gibt. Die Velvet Blossom jedoch ist besser geworden als ihr ursprünglicher Entwurf – ich konnte mir kaum vorstellen, dass wir etwas so Schönes schaffen würden.

Was unterscheidet Roger Dubuis von anderen Luxusuhrenherstellern?
Während unsere Mitbewerber in der Regel eine lange traditionsreiche Geschichte hinter sich haben, auf welche sie zurückblicken können, ist Roger Dubuis im Vergleich eine junge Marke, die diese Geschichte nicht vorweisen kann. Aber wir haben eine signifikante, wenn auch kurze Firmengeschichte, die 1995 begann. Heute sind wir dabei unsere Geschichte zu schreiben und können dadurch einige interessante neue Kollektionen schaffen. Ohne die Last einer Tradition haben wir daher mehr Spielraum, wenn es um die Kreationen neuer Modelle geht.

Wenn Sie die perfekte Uhr herstellen könnten, unter Verwendung beliebiger Materialien aus aller Welt, wie würde sie aussehen?
Meine perfekte Uhr kommt aus der Zukunft. Vielleicht ist es bis dahin möglich, ein extrem komfortables und ergonomisches Material herzustellen. Oder vielleicht wird es sogar eine Uhr, die ein Teil unseres Körpers ist und unter der Haut angebracht ist.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?
Die Tatsache, dass ich mir Zeit nehmen kann, um zu designen ist wirklich entspannend für mich, ein bisschen wie Yoga. Wenn ich ein paar Stunden Zeit habe zu designen, wird alles um mich herum still und ich werde ganz ruhig. Das ist auch wirklich gut für meine Gesundheit.

Was ist Luxus für Sie?
Alles, was nicht notwendig ist, ist für mich Luxus.